Serie: Matter von A bis Z · Teil 1 von 8
Was ist Matter? Der Smart-Home-Standard einfach erklärt
Was ist Matter Smart Home? Der offene Standard erklärt: herstellerübergreifend, lokal und zertifiziert. Die Grundlagen einfach und praxisnah.
Von Tobias ·· 6 Min. Lesezeit
Wenn du dich fragst, was Matter im Smart Home eigentlich ist, bist du nicht allein. Der Name steht inzwischen auf Lampen, Steckdosen, Sensoren und Schlössern, oft ohne jede Erklärung. Kurz gesagt: Matter ist ein offener Smart-Home-Standard, mit dem Geräte verschiedener Hersteller dieselbe Sprache sprechen. Ein Matter-Gerät kannst du in vielen Systemen nutzen, ohne dich auf eine einzige Marke festlegen zu müssen. Hier erfährst du, wie Matter funktioniert, welche Vorteile es bringt und worauf du beim Kauf achten solltest.
Was ist Matter Smart Home in einem Satz?
Matter ist ein herstellerübergreifender, lokal arbeitender Smart-Home-Standard, der auf IP-Netzwerken aufbaut. Geräte, die Matter unterstützen, verstehen sich untereinander und mit jedem kompatiblen Steuerungssystem. Das Ziel: weniger Insellösungen und mehr Freiheit bei der Auswahl.
Woher Matter kommt
Matter wird von der Connectivity Standards Alliance (CSA) entwickelt und gepflegt. Die Organisation war früher unter dem Namen Zigbee Alliance bekannt. Hinter Matter stehen zahlreiche Hersteller aus der Branche, darunter Anbieter von Leuchten, Sensoren, Steckdosen und Smart-Home-Plattformen. Gemeinsam haben sie festgelegt, wie Geräte gefunden, eingerichtet und gesteuert werden.
Die drei Grundideen hinter Matter
Matter lässt sich über drei Eigenschaften beschreiben, die du im Alltag spürst.
Herstellerübergreifend
Matter ist ein gemeinsamer Standard und kein Produkt eines einzelnen Anbieters. Ein Gerät mit Matter-Unterstützung kann in jedem Matter-fähigen System eingebunden werden. Das ist der Hauptgrund, warum sich Matter von herstellereigenen Lösungen unterscheidet.
Lokal
Bei Matter laufen Befehle direkt im Heimnetz vom Steuerungssystem zum Gerät. Für die lokale Steuerung brauchst du keine Verbindung zu einem Server im Internet. Sprachassistenten, Fernzugriff oder Benachrichtigungen können allerdings weiterhin Cloud-Dienste nutzen.
Auf IP aufgebaut
Matter setzt auf das Internet Protocol, also auf dieselbe Form der Adressierung, die dein Netzwerk ohnehin nutzt. Geräte können über WLAN, Ethernet oder Thread angebunden sein. Welche Funktechnik dahintersteckt, erkläre ich im Artikel Thread, WLAN oder Ethernet.
So funktioniert Matter im Alltag
Die Einrichtung eines Matter-Geräts läuft meist über die App des Steuerungssystems. Das Gerät wird dabei zunächst über Bluetooth LE gefunden und mit dem Netzwerk verbunden. Dieser Vorgang heißt Commissioning. Danach kommunizieren Gerät und Steuerung über das Heimnetz. Die Steuerzentrale, also das System, in dem du das Gerät einrichtest, nennt man Controller.
Ein Beispiel für eine Steuerzentrale mit Matter-Unterstützung:
Das Schaubild zeigt das Prinzip: Mehrere Systeme nutzen dieselbe Matter-Schicht, und darunter laufen dieselben Geräte. Wechselst du das Steuerungssystem, musst du die Geräte in der Regel nicht neu kaufen, sondern nur neu einbinden.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Stell dir vor, du kaufst eine Matter-Steckdose und einen Bewegungsmelder, die von zwei verschiedenen Herstellern stammen. Beide Geräte melden sich bei deiner Steuerzentrale an, die Matter unterstützt. Dort legst du eine Regel an: Wenn der Bewegungsmelder im Flur anschlägt, schaltet die Steckdose die Leselampe ein. Du hast zwei Marken kombiniert, ohne Umwege über eine zusätzliche Brücke.
Ohne gemeinsamen Standard hättest du in vielen Fällen zu Geräten einer einzigen Marke greifen müssen, damit alles zusammenspielt. Genau diese Abhängigkeit soll Matter verringern.
Was du zum Einstieg brauchst
Für den Einstieg brauchst du drei Dinge: ein Steuerungssystem mit Matter-Unterstützung, ein Smartphone mit der passenden App und Geräte, die Matter unterstützen. Eine stabile WLAN-Verbindung hilft außerdem, weil viele Geräte im Hintergrund auf das Heimnetz angewiesen sind. Ob zusätzlich ein Thread Border Router nötig ist, hängt von den Geräten ab. Die Grundlagen dazu erkläre ich in den Folgeartikeln der Serie.
Lokal statt Cloud
Viele herstellerspezifische Lösungen schicken Befehle über einen Server im Internet, auch wenn du nur im Wohnzimmer das Licht einschalten willst. Bei Matter bleibt der Befehl im Haus. Das bringt drei Vorteile: kürzere Reaktionszeiten, weniger Abhängigkeit vom Internet und mehr Kontrolle über deine Daten.
Zertifizierung: Woran du einen echten Matter-Standard erkennst
Matter-Geräte müssen eine Zertifizierung durchlaufen. Die Daten dazu werden im Distributed Compliance Ledger (DCL) der CSA veröffentlicht, einer öffentlichen Datenbank. Dort sind Hersteller, Produktkennung und Zertifizierungsdaten einsehbar. Auch das Geräteverzeichnis auf matter.tips basiert auf diesen Angaben.
Auf der Verpackung findest du in der Regel den Hinweis, dass ein Gerät Matter unterstützt. Ein Blick in das Datenblatt zeigt zusätzlich, welche Funktechnik es nutzt. Ein Beispiel für ein Matter-Gerät mit Thread und Bluetooth LE ist diese Lampe:
Matter und Multi-Admin
Eine der praktischsten Eigenschaften von Matter ist die Möglichkeit, ein Gerät gleichzeitig in mehreren Systemen zu nutzen. Dieses Feature heißt Multi-Admin. Wie das funktioniert und worauf du achten solltest, erkläre ich im Artikel Multi-Admin: Ein Matter-Gerät in mehreren Smart-Home-Systemen nutzen.
Matter im Vergleich zu herstellereigenen Systemen
Matter ist nicht automatisch besser als jede Herstellerlösung. Es hat aber andere Schwerpunkte. Diese Tabelle hilft bei der Einordnung:
| Merkmal | Matter | Herstellereigenes System |
|---|---|---|
| Geräte verschiedener Marken | Vorgesehen | Meist nur innerhalb des eigenen Ökosystems |
| Steuerung im Heimnetz | Grundlage des Standards | Hängt vom System ab |
| Funktionsumfang | Gemeinsamer Kern an Funktionen | Oft mit zusätzlichen Herstellerfunktionen |
| Einrichtung | Über die App des gewählten Systems | Meist über eine Hersteller-App |
Grenzen von Matter
Matter ist ein Standard, der sich mit der Zeit weiterentwickelt. Nicht jedes Matter-Gerät unterstützt jede Funktion, und nicht jedes Steuerungssystem setzt alles gleich um. Bei Lampen und Steckdosen ist die Grundfunktion meist zuverlässig. Bei komplexeren Geräten wie Kameras oder Schlössern lohnt sich ein Blick in die Produktinformationen. Außerdem hängen Software-Updates von Hersteller und System ab.
Fazit: So gehst du beim Kauf vor
Matter ist sinnvoll, wenn du Geräte verschiedener Marken kombinieren willst oder dir die Möglichkeit offenhalten möchtest, dein Steuerungssystem später zu wechseln. Achte beim Kauf auf den Matter-Hinweis, prüfe die unterstützte Funktechnik im Datenblatt und schau im Geräteverzeichnis nach, welche Modelle zertifiziert sind. Wenn du tiefer einsteigen möchtest, lies als Nächstes den Artikel über Thread, WLAN und Ethernet.
Häufige Fragen
Ist Matter dasselbe wie Thread?
Nein. Matter ist die gemeinsame Sprache der Geräte. Thread ist eine von mehreren Funktechniken, über die Matter-Geräte mit dem Netzwerk verbunden sein können.
Brauche ich für Matter ein bestimmtes Smart-Home-System?
Du brauchst ein System, das Matter unterstützt, zum Beispiel eine Steuerzentrale oder einen Hub. Welches System du wählst, bleibt dir überlassen.
Funktioniert Matter auch ohne Internetverbindung?
Die lokale Steuerung über das Heimnetz funktioniert ohne Internet. Fernzugriff, bestimmte Sprachbefehle und Benachrichtigungen unterwegs brauchen jedoch eine Verbindung nach außen.
Sind alle Smart-Home-Geräte mit Matter kompatibel?
Nein. Nur Geräte mit Matter-Unterstützung lassen sich im Matter-Standard nutzen. Ältere Geräte mit anderen Protokollen funktionieren oft nur über eine Brücke oder im eigenen System des Herstellers.
Muss ich meine bisherigen Geräte sofort ersetzen?
Nein. Du kannst Matter schrittweise einführen und neue Geräte gezielt mit Matter-Unterstützung auswählen. Bestehende Geräte bleiben in ihrem System, bis du sie ersetzt oder über eine Brücke einbindest.